Wie Erde zu Stein wird

Es sind diese kleinen Makel und winzigen Unregelmäßigkeiten im Gesicht eines Menschen, die es so faszinierend machen. Ähnlich verhält es sich auch mit handgefertigten Objekten. Die Herstellung von Steinzeug fordert die Einbindung vielerlei schwer berechenbarer Kräfte, wie Feuer, Wasser, Luft und Handarbeit, deren Zusammenwirken in einzigartigen Stücken resultiert – weitaus fesselnder als perfekt maschinell gefertigtes Geschirr. Beim Werken verschmelzen die Hände des Töpfers im Prozess mit dem Werkstoff Ton, machen ihn gefügig und geschmeidig, bringen ihn Schritt für Schritt in die gewünschte Form. Dabei können geübte Töpfer kleinere Stücke in wenigen Minuten erschaffen. Künstler brauchen allerdings oft Tage, um größere Objekte von Hand aufzubauen. Auch wenn die Farbe und die Oberflächenstruktur des fertigen Produkts immer von der Auswahl des Tons und der Glasur abhängen, so ist es doch der Brand im Ofen – die Temperatur, der Brennzyklus und der Flug von Salzen, Pigmenten und Mineralien in der heißen Ofenluft –, der über das finale Resultat entscheidet. Er verwandelt Erde in Steinzeug, verleiht Gefäßen ihre für uns im täglichen Gebrauch essenziellen Eigenschaften. Er kann Objekten eine ganz besondere Aura verleihen oder aber die mühevolle vorangegangene Arbeit zunichtemachen. Leider keine Seltenheit.